Traunstein. Die Verantwortlichen des Rinderzuchtverbandes Traunstein konnten bei ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung auf ein insgesamt sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Sowohl bei der Zuchtqualität als auch bei den erzielten Preisen war ein klar positiver Trend zu verzeichnen. Als Herausforderungen bleiben jedoch weiterhin die Blauzungenkrankheit sowie der Rückgang der Betriebe. Veränderungen ergaben sich zudem bei den Neuwahlen der Beiratsmitglieder und deren Stellvertreter. Darüber hinaus berichtete die neue Zuchtleiterin Dr. Paula Heine erstmals über Neuerungen in der Zuchtarbeit, und der 1. Vorsitzende Hubert Hartl kündigte an, sein Amt in absehbarer Zeit abgeben zu wollen.
Als wichtige Aufgabe und bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die Region bezeichnete der stellvertretende Landrat Josef Kohnhäuser in seinem Grußwort das Engagement der Landwirte. „Darüber hinaus leistet ihr einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt unserer wunderbaren Kulturlandschaft“, betonte er. Ähnlich äußerte sich auch Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, der die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Nutzung des Festplatzes hervorhob. Zudem überbrachte er den gemeinsamen Dank des St.-Georgs-Vereins sowie der Stadt für das Zurverfügungstellen der Räumlichkeiten beim Georgiritt.
Das Verbandsgebiet des Rinderzuchtverbandes Traunstein erstreckt sich über die Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein sowie den östlichen Teil des Landkreises Rosenheim. Rund 1.000 Betriebe sind Vollmitglieder im Verband, 600 weitere Teilmitglieder. Sie halten gemeinsam etwa 45.000 Milchkühe. Vorsitzender Hubert Hartl begann seinen Rückblick mit einem historischen Datum. Auf den Tag genau lag der Teileinsturz der alten Chiemgauhalle sieben Jahre zurück. „Hinter uns liegen sehr bewegte Jahre mit vielen Höhen und Tiefen“, so Hubert Hartl. Mit Blick auf die neue Heimat des Verbandes ergänzte er: „Wir sind sehr zufrieden und dürfen positiv in die Zukunft blicken.“
Rinderzuchtverband steht auf wirtschaftlich soliden Beinen
Im Anschluss folgte die Vorstellung der wirtschaftlichen Bilanz. Aufgrund der Umstellung der Kassenführung vom Kalenderjahr auf das Wirtschaftsjahr wurden zwei Zeiträume ausgewiesen. Sowohl das Kalenderjahr 2024 als auch das Wirtschaftsjahr 2025 schlossen für die heimischen Rinderzüchter mit einem positiven Ergebnis ab. „Das ist gut für den Rinderzuchtverband und gut für euch Landwirte“, resümierte Hubert Hartl und hob insbesondere die deutlichen Preissteigerungen in der Vermarktung im vergangenen Jahr hervor.
Nicht nur die Preise, sondern auch die Vermarktungszahlen konnten kontinuierlich gesteigert werden. Diese erfreuliche Entwicklung zeigte sich sowohl bei den Kälbern als auch beim Großvieh und wird nach Einschätzung der Verantwortlichen auch im laufenden Jahr anhalten. „Sowohl Zucht als auch Vermarktung stehen in unserem Verbandsgebiet auf soliden Beinen“, zeigte sich Hubert Hartl zuversichtlich. Trotz bestehender Herausforderungen dürfe man optimistisch in die Zukunft blicken.
Neuwahlen und Ehrungen
Das Verbandsgebiet gliedert sich in fünf regionale Bereiche, die jeweils durch Beiratsmitglieder und deren Stellvertreter vertreten werden. Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurde Christian Niederbuchner (Nußdorf/Aiging) in seinem Amt bestätigt. Sebastian Gehmacher (Staudach/Bayern) kandidierte nicht mehr. Tobias Lauterbach aus Hinterwössen wurde als Nachfolger gewählt. Peter Lindebar aus Bergen und Richard Siglreitmaier aus Wonneberg/Egerdach bleiben weiterhin Vertreter ihrer Regionen. Paul Geisreiter (Vogling/Plereit) verzichtete auf eine erneute Kandidatur; seine Nachfolge tritt Anton Mayer ebenfalls aus Plereit an. Die Stellvertreter sind weiterhin Johann Wimmer (Kammer/Reichsberg), Willi Siglreitmeier (Übersee/Moosen), Martin Geserer (Haslach/Axdorf), Martin Maier (Hammer/Unterwagenau) sowie Stefan Schneider aus Waging/Hirschhalm.
Neben den Neuwahlen nutzten die Verantwortlichen den Versammlungsabend auch, um die Halter sogenannter „100.000-Liter-Kühe“ zu ehren. Urkunden und Plaketten erhielten die Zuchtbetriebe Christian Niederbuchner (Aiging), Wilfried Lifka (Lauter/Holneich), Gerhard Berger (Siegsdorf/Scharamerweg) Florian Buchner (Grassau/Viehhausen), Markus Haselberger (Taching/Krautenbach) sowie Monika Breitwieser (Wonneberg/Sträubl). Für die erfolgreiche Teilnahme an der Rinderzucht Süd Jubiläumsschau wurden Willi Siglreitmeier aus Übersee und Christian Niederbuchner aus Aiging ausgezeichnet.
Spitzenpreise und hohe Vermarktungszahlen
Geschäftsführer Bernhard Reiter stellte seinen Bericht unter den Titel „Aktuelles aus der Vermarktung“. Die Marktentwicklung des vergangenen Jahres habe „alle Erwartungen übertroffen“, erklärte Bernhard Reiter. Gleichzeitig appellierte er an die Landwirte, weiterhin den Schulterschluss mit dem Rinderzuchtverband zu suchen und die gemeinsamen Interessen geschlossen zu vertreten. Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass alle Märkte im abgelaufenen Wirtschaftsjahr sehr gut besucht waren. Zudem sprach er sich für konsequente Beibehaltung des veröden der Hornanlage aus und nannte sowohl Herdenschutzgründe als auch die dadurch höheren Margen in der Vermarktung als Argumente.
In der Vermarktung von Zuchtvieh konnte die Gesamtzahl im letzten Wirtschaftsjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38 Tiere auf insgesamt 1.013 Tiere gesteigert werden. Bei den Kälbern wurden mit 18.482 Tieren insgesamt 1.022 mehr Tiere versteigert als im vorherigen Zeitraum. Besonders stolz zeigte sich Reiter darüber, dass im Vergleich zum freien Handel durchschnittlich 0,77 Euro mehr pro Kilogramm erzielt werden konnten, was den Landwirten eine spürbar höhere Vergütung brachte.
Lobende Worte fand auch die neue Zuchtleiterin Dr. Paula Heine, die Mitte des Jahres die Nachfolge ihres langjährigen Vorgängers Dr. Rudolf Maierhofer angetreten hatte. „Der Zuchtwert hier in Traunstein spielt bundesweit ganz oben mit“, betonte sie. Die gesamte Zuchtarbeit laufe auf sehr hohem Niveau und sei geprägt von einer reibungslosen Zusammenarbeit.
Anschließend ging Paula Heine auf die Zuchtfortschritte der vergangenen Jahre ein, insbesondere im hornlosen Bereich. Zur Vorsicht mahnte sie mit Blick auf eine zunehmende Inzucht. „Das stellt derzeit noch keine große Gefahr dar, dennoch müssen wir dieses Thema im Auge behalten und besonnen sowie vorausschauend handeln“, so die Zuchtleiterin.
Blauzungenkrankheit bleibt ein zentrales Thema
Stellvertretend für das Veterinäramt informierte Paula Heine auch über den aktuellen Stand zur Blauzungenkrankheit. Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten sei für den Menschen unbedenklich, dennoch führe die Viruserkrankung bei Rindern und Schafen zu teils schweren Krankheitssymptomen. „Eine Impfung wird seitens der Behörden ausdrücklich empfohlen“, erklärte sie.
Fachberater Tim Höbel referierte zu den Themen „Gezielte Paarung“, „Genomische Selektion“ und „Embryotransfer“. Ziel sei es, „gute und gesunde Tiere im Stall zu haben“. Dabei sprach er auch die Problematik an, dass sich viele Besamungen auf wenige Stiere konzentrieren. Diese Thematik werde bei den Besamungsempfehlungen bereits berücksichtigt. Dennoch wolle man genauer analysieren, warum in rund 40 Prozent der Fälle die Empfehlungen der Fachberater nicht umgesetzt würden.
Landwirte üben Kritik an Melkrobotern
Stefan Grabmaier vom LKV – dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern – gab einen Überblick über die allgemeine Marktentwicklung. Zwar gehe die Anzahl der Betriebe weiter zurück, gleichzeitig steige jedoch die durchschnittliche Leistung, insbesondere durch das Programm Gesundheit und Robustheit.
Bayernweit gab es mit Ablauf des letzten Jahres 14.460 Milchviehbetriebe, dies ist ein Rückgang um 354 Bauern gegenüber dem Vorjahr. Im Verbandsgebiet Traunstein sind 1.014 Betriebe aktiv. Im Berichtszeitraum ist dies ein Rückgang von 14 Betrieben. Dem stehen eine Steigerung der Milchkühe auf bayernweit 866.547 (Traunstein + 465) Tiere und eine Zunahme der bayernweiten Herdengrößen um 1,8 Prozent auf durchschnittlich 59,9 Tiere (Traunstein + 1,1 Prozent und 47,4 Tiere) gegenüber.
Zudem berichtete er von einer erfreulichen Zunahme beim Einsatz von Melkrobotern sowie von der Einführung einer neuen „Klauenprofi-App“ für die Landwirte. Zum Thema Melkroboter kam aus den Reihen der Versammlung mehrfach Kritik, insbesondere hinsichtlich fehlender verlässlicher Daten zur Melkbarkeit. Diese Einschätzung teilte Stefan Grabmaier und ermutigte die Anwesenden, ihre Anliegen mit Nachdruck an die Hersteller heranzutragen.
Den Abschluss der Versammlung bildete Vorsitzender Hubert Hartl, der die Teilnehmer darüber informierte, dass er sein Amt in absehbarer Zeit abgeben und in jüngere Hände übergeben werde. Hob
