Tittmoning, Kirchheim. Wer die Berichte der Verantwortlichen im Verein und in der aktiven Feuerwehr aufmerksam verfolgte, konnte feststellen: In Kirchheim ist die Feuerwehrwelt in Ordnung. Besonders Verkehrsunfälle prägten das abgelaufene Jahr, doch die Floriansjünger mussten auch zu Brandeinsätzen ausrücken. Für die Lagerung der Hochwasserschutzausrüstung ist in diesem Jahr ein Anbau am Gerätehaus geplant. Zudem stimmten die Mitglieder über eine Änderung der Vereinsstatuten ab. Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum lobte insbesondere die „starke Jugendarbeit“ der Feuerwehr und deren wichtigen Beitrag zu einem aktiven Dorf- und Vereinsleben.
„Aktuell haben wir 70 aktive Einsatzkräfte“, freute sich Kommandant Christoph Thalbauer und informierte darüber, dass „13 Frauen im Einsatzdienst ihren Mann stehen“. Mit 26 Maschinisten, 19 Atemschutzgeräteträgern, zwölf Gruppenführern und acht Einsatzkräften mit der Zusatzausbildung Absturzsicherung sei die Wehr insgesamt gut aufgestellt.
Elf Jugendliche bereiten sich derzeit, betreut durch Philomena Zeltsperger, auf den aktiven Dienst vor und haben ein interessantes und erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht. Beim landkreisweiten Tag der Jugendfeuerwehr erreichte man in der Altersstufe „15 bis 17 Jahre“ den zweiten Platz. Auch beim Wissenstest war die Jugend sehr erfolgreich.
Zudem durfte sich die Feuerwehr über eine Spende der Heimatbühne Tittmoning in Höhe von 1.000 Euro freuen. Eine spannende Exkursion führte die Jugendlichen zur Polizeidienststelle nach Laufen. Den Abschluss des Jugendjahres bildete die Friedenslichtaktion in Tittmoning, bei der das Licht aus Bethlehem in die Region weitergegeben wurde und so auch seinen Weg nach Kirchheim fand.
Neben den Übungen in den drei Gruppen sowie verschiedenen Fachtgruppen nahm die Feuerwehr im vergangenen Jahr an einer Großübung am Krankenhaus in Fridolfing teil. Gemeinsam mit der Feuerwehr Törring probte man außerdem den Aufbau einer Wasserversorgung über eine lange Schlauchleitung.
„Zum ersten Mal in unserer Geschichte haben wir auch das Leistungsabzeichen Technische Hilfeleistung absolviert“, freute sich Thalbauer. Dieses wurde gemeinsam mit der Feuerwehr Tittmoning vorbereitet und abgelegt. Eine weitere Übung führte die Aktiven ins Landratsamt Traunstein, um dort die Aufgaben und Räumlichkeiten der Führungsgruppe Katastrophenschutz kennenzulernen.
„Dienstreise“ zur Firma Ziegler
Darüber hinaus besuchte eine kleine Abordnung den Feuerwehrhersteller Ziegler in Giengen an der Brenz. Dort wurden die Teilnehmer in die neue Tragkraftspritze PFPN 10-1000 „Ultra Power 4“ eingewiesen, die inzwischen ihren Dienst bei der Feuerwehr aufgenommen hat. Außerdem konnten die Kirchheimer gemeinsam mit der Feuerwehr Tittmoning einen Samstag lang an der Feuerwehrschule Geretsried verschiedene Einsatzszenarien an Übungsobjekten trainieren. Dabei besichtigten die Aktiven auch ein Hochwasserschutzsystem sowie unterschiedliche Wärmebildkameras.
Beim Ehrenabend der Feuerwehren im Landkreis Traunstein wurde im vergangenen Jahr Ehrenvorstand Josef Jäger für sein langjähriges Wirken in verantwortlicher Position mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein ausgezeichnet. Auch Mitglieder der Ökologischen Bürgerliste nutzten die Gelegenheit, hinter die Kulissen der Feuerwehr zu blicken und sich ein Bild von deren Arbeit und Ausrüstung zu machen.
Mehrmals waren die Aktiven zudem bei Eheschließungen im Einsatz, und „der Feuerwehrstorch war bei uns quasi im Dauereinsatz“, schmunzelte Christoph Thalbauer. „Ich freue mich sehr darüber, dass sich diese Entwicklung auch in diesem Jahr fortsetzt und wir uns auf viele Nachwuchskräfte freuen dürfen“, ergänzte er. Als besonders ergreifende Veranstaltung nannte er den Gedenkgottesdienst für verstorbene Feuerwehrleute des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberbayern, der in der Messe München-Riem gefeiert wurde.
Mehrmals bei schweren Unfällen gefordert
„Im vergangenen Jahr sind wir zu insgesamt 15 Einsätzen ausgerückt und haben dabei 319 Einsatzstunden geleistet“, berichtete die stellvertretende Kommandantin Kathrin Glück. Häufig waren die Aktiven bei teils schweren Verkehrsunfällen gefordert. „Einmal mussten wir allerdings auch gemeinsam mit der Polizei ausgebrochene Kälber einfangen“, berichtete sie augenzwinkernd. Neben einem Pkw-Brand waren die Feuerwehrleute auch bei einem Brand eines Stromspeichers im Einsatz und wurden zu einem ABC-Einsatz am Bahndamm alarmiert.
Von der Absturzsicherung bis zum Lehrgang „Wärmebildkamera“ besuchten die Aktiven im vergangenen Jahr 43 Lehrgänge auf Landkreisebene. Die Kirchheimer stellen zudem mehrere Ausbilder im Kreisfeuerwehrverband Traunstein. Darüber hinaus wird am Feuerwehrhaus in Kirchheim der Lehrgang für den Umgang mit Brandmeldeanlagen durchgeführt. Zwei Einsatzkräfte konnten außerdem an einem Atemschutztraining im Brandhaus der Landesfeuerwehrschule in Würzburg teilnehmen. Für die Dorfbewohner wurde zudem ein Aktionstag „Feuer richtig löschen“ angeboten, bei dem unter anderem der Umgang mit dem Feuerlöscher geübt werden konnte.
Auch bei der Ausrüstung hat sich im vergangenen Jahr einiges getan. Neben der neuen Tragkraftspritze wurde eine Wärmebildkamera beschafft. Außerdem stellte man vier neue Funkgeräte in Dienst, die speziell von den Führungskräften genutzt werden. Für die beiden Einsatzfahrzeuge wurden Tablet-Computer sowie eine Software mit allen Wasserentnahmestellen im Einsatzgebiet angeschafft. „Die Erfassung der Daten hat mehrere Tage in Anspruch genommen“, informierte der stellvertretende Kommandant Franz Berreiter und lobte die Beteiligten für ihr Engagement.
Ein sogenanntes „Box-Wall-System“, also eine Art mobiler Hochwasserschutzdamm, wurde ebenfalls für die Feuerwehren im Stadtgebiet angeschafft. Die Elemente werden zentral bei der Feuerwehr Kirchheim gelagert und kommen im Bedarfsfall in allen Ortsteilen zum Einsatz. Dafür wird in diesem Jahr ein Anbau am Gerätehaus errichtet, in dem das Schutzsystem untergebracht wird. „Die Kosten für die Baumaterialien werden von der Stadt getragen, die Bauarbeiten werden durch unsere Mitglieder durchgeführt“, erklärte Berreiter.
Verein ändert an einigen Stellen seine Satzung
Einen Überblick über das Vereinsjahr gab Vorstand Korbinian Forster. Im vergangenen Jahr standen zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten auf dem Programm. Neben der Jahreshauptversammlung, dem traditionellen Georgi-Ritt und dem Dorffest fanden mehrere kameradschaftliche Veranstaltungen wie das Stockschießen mit der Feuerwehr Kay, das Fünf-Feuerwehren-Stockschießen sowie ein Kameradschaftsabend mit der Feuerwehr Pietling statt.
Zudem beteiligte sich die Feuerwehr am Maibaumaufstellen beim SV Kay und organisierte einen Ausflug mit Besuchen des Flughafens Salzburg und der Brauerei Schönram. In der Adventszeit folgten der Kirchheimer Advent sowie die Weihnachtsfeier. Darüber hinaus nahmen die Mitglieder an mehreren Jubiläumsfesten benachbarter Feuerwehren teil, darunter die Feierlichkeiten der Feuerwehren Surberg, Taching und Otting.
Auch für dieses Jahr sind bereits zahlreiche Termine geplant. Den Auftakt bildet die Beteiligung am traditionellen Georgi-Ritt. Darüber hinaus stehen mehrere Jubiläumsfeste befreundeter Feuerwehren auf dem Programm, darunter die Feierlichkeiten in Rabenden, Neukirchen-Hirten, Heiligkreuz, Marktl, St. Radegund und Engelsberg. Zu den eigenen Veranstaltungen zählen wieder das Dorffest, der Kirchheimer Advent sowie die Weihnachtsfeier. Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsjahr wird der gemeinsame Feuerwehrausflug nach Pullman City sein.
Auf der Tagesordnung stand zudem der Punkt „Satzungsänderung“. Der Vorstand informierte über die Hintergründe und die geplanten Anpassungen. Im Wesentlichen wird der neu eingeführte „zweite stellvertretende Kommandant“ in die Vorstandschaft aufgenommen, außerdem werden Regelungen zu Bekanntmachungen und Beschlussfassungen vereinfacht. Darüber hinaus trägt die neue Fassung den aktuellen Datenschutzbestimmungen Rechnung. Die anwesenden Mitglieder folgten den Änderungsvorschlägen einstimmig.
Kassenwartin Anna Huber berichtete über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins. Insgesamt konnte sie einen ausgeglichenen Kassenbestand präsentieren und damit zeigen, dass die Feuerwehr Kirchheim wirtschaftlich auf gesunden Beinen steht.
Viel Lob von den Ehrengästen
Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum würdigte die Kirchheimer Floriansjünger insbesondere für ihr „aktives Dorf- und Vereinsleben und die hohe Einsatzbereitschaft“. Wörtlich sagte er: „Ihr steht Tag und Nacht für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger ein – und das verdient höchste Anerkennung.“ Besonders freute er sich über die gute Jugendarbeit, die er als „Zukunft der Wehr“ bezeichnete, sowie über die Friedenslichtaktion. Gleichzeitig dankte er den Mitgliedern für ihre Bereitschaft, den Anbau am Feuerwehrhaus tatkräftig zu unterstützen.
Seitens des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein nahmen Kreisbrandinspektor Günter Wambach, Kreisbrandmeister Hans Heinrich sowie Hubert Hobmaier von der Pressestelle an der Versammlung teil. In seinem Grußwort würdigte Wambach die professionelle Arbeit der Kirchheimer Feuerwehr und dankte ihr für das starke Engagement im Ausbildungsbetrieb des Kreisfeuerwehrverbandes. Darüber hinaus informierte er unter anderem über die Entwicklung der Kinderfeuerwehren und ermutigte die Verantwortlichen, über eine Einführung nachzudenken. „Der Tag der Jugendfeuerwehr und ein dreitägiges Jugendzeltlager werden heuer in Taching durchgeführt“, berichtete er abschließend.
Kurz und bündig fiel hingegen das Grußwort des federführenden Kommandanten Erwin Hirschpoltner aus. Er bezeichnete die Zusammenarbeit aller Feuerwehren im Stadtgebiet als sehr gut, zeigte sich erfreut über den gemeinsamen Übungstag in Geretsried sowie über das gemeinsam bestandene Leistungsabzeichen. „Ich freue mich bereits jetzt auf eine Neuauflage im kommenden Jahr und wünsche euch für dieses Jahr alles erdenklich Gute“, so der Tittmoninger Aktivenchef.
Mit einem gemeinsamen Abendessen im Saal des Gasthauses Gruber in Pietling fand die gut besuchte Generalversammlung der Feuerwehr Kirchheim schließlich einen geselligen Ausklang.
(Quelle: Text und Bild Hubert Hobmaier)

